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Titel:     distortion
Regie     Lydia Nsiah
  original titel:
distortion
Jahr: 2016
Land: Austria
Länge: 05:00 min
Premiere: /
Medientyp: Digital Media
Kategorie: Experimental
Orig.Spr.: Kein Dialog
Credits  
Technische Daten  
Texte und Bilder  
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Synopsis
distortion
Rückblickend nennt Hans Richter 1949 distortion – Verzerrung, Entstellung, Verdrehung – als ein wesentliches Element im Köcher der historischen Film-Avantgarden. Das Interesse der kommerziellen Filmproduktion an solchen Effekten sei enden wollend gewesen: "Keines dieser ´poetischen Verfremdungsverfahren´ war urheberrechtlich geschützt; die Filmindustrie hat sie trotzdem nicht angerührt." (1) In distortion kehrt die Bildverzerrung fulminant wieder, und zwar ausgerechnet als kommerzielles Copyright-Instrument. Materialbasis des Videos sind DVD-Kompilationen von (großteils kanonischen) experimentellen, ephemeren und Animationsfilmen. Deren Kopierschutz-Enkodierung erzeugt beim Vervielfältigen digitale Artefakte, die nun Bildfindungen von Duchamp, Léger oder Lye – je nach Blickwinkel – entweder schlicht verstümmeln oder aber in eine Entstaltung zweiter Ordnung überführen: Lippen verrutschen, Fehlfarben blitzen, Oberflächen schillern, ein Büffel zerstäubt.


Die innere Dramaturgie des Videos führt von der schieren Abstraktion (Kleckse vs. Pixelgestöber) zur Gegenständlichkeit von Gesicht, Körper, Landschaft, über die das digitale Eigenleben eine wabernde zweite Haut spannt. Die Störsignale, wie sie beim alltäglichen Videofile-Konsum gewöhnlich korrupte Dateien oder überarbeitete Rechner anzeigen, versetzen Nsiahs rhythmische Montage und Billy Roisz´ aus dem Bildmaterial destilliertes, fein moduliertes Tonspurrauschen zurück ins Labor der Avantgarden. Dort bedeutete das Spiel mit Überforderungen Befragung des (medientechnisch wie perzeptuell) Gegebenen und Entwurf des Neuen. Dass gerade Werke der Filmavantgarde auf DVD ihre apparative Arbeitsgrundlage (16-24 Einzelkader pro Sekunde) verlieren, gibt der Geste erst ihre durchtriebene Ironie. Die letzte Einstellung von distortion, ein Landschaftsbild, gibt den Wechsel zur digitalen Laufbildprozessierung als Horizontverschiebung zu sehen. (Joachim Schätz)


(1) Hans Richter: The Avant-Garde Film Seen from Within. – In: Hollywood Quarterly, Heft 4, Herbst 1949. S. 37.


Printgrafik: photocredit__lydia_nsiah.jpg

deutsche druck version

   
  filmvideo.at // distortion erstellt am 2016-05-20 letzte Änderung am 2017-12-20