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Titel:     La Cigarette
Regie     Friedl vom Gröller
  original titel:
La Cigarette
Jahr: 2011
Land: Austria
Länge: 03:00 min
Premiere: /
Medientyp: Film
Kategorie: Experimental
Orig.Spr.: Kein Dialog
Credits  
Technische Daten  
Texte und Bilder  
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Synopsis
La Cigarette
In ihrem Film La Cigarette hat Friedl vom Gröller fünf Menschen vor ihrer Kamera versammelt. Der Ort der Versammlung bleibt unbestimmt – ein kleiner bewohnter Raum mit Tisch, Stühlen, einer Abwasch und im Hintergrund auf einem kleineren Tisch offene Flaschen und ein Filmprojektor. Letzterer, wie auch der Umstand, dass sich unter den hier Versammelten zwei Protagonisten der „Nouvelle Vague“ befinden, Jackie Raynal und Jaques Rozier, lassen Film und Filmemachen als ein bestimmendes Motiv der Zusammenkunft vermuten. Oder zumindest den Grundton ahnen, der diese Zusammenkunft durchzieht.

Vier der Versammelten, drei Frauen und ein Mann, beobachten von der Kamera beobachtet eine junge Frau, die auf dem Tisch vor ihnen sitzend posiert wie ein Modell im Atelier. Doch mit Fortdauer des Films wird klar, dass dieser Vergleich nicht stimmen kann. Nicht das Studium des menschlichen Körpers ist das Thema dieser Versammlung, die junge Frau auf dem Tisch ist weniger Modell als Medium. Sie verkörpert das Medium für die Erinnerungen der um den Tisch Versammelten, mehr noch aber das Medium für die Projektionen des Betrachters auf deren von ihm imaginierte Geschichten und Biografien. Der Betrachter allein setzt die große Erzählung dieses Films in Gang, es sind seine Vorstellungen und Assoziationen, die sich in den Blicken der Versammelten spiegeln. Die Filmemacherin hat ihn mit ihrer Regie in die Rolle des Erzählers und Dramaturgen eines Privattheaters gesetzt. Sie selbst macht sich ausdrücklich zum Teil des Ensembles, indem sie für einen Moment ihre Position hinter der Kamera aufgibt, der jungen Frau die Titel gebende Zigarette reicht und sie mit einem Streichholz entzündet. Der Rauch, der von der Zigarette aufsteigt und an dem die Versammelten riechen evoziert unweigerlich eine Ahnung von Subversivem und Verbotenem. Und gleicht darin auch dem Sinnbild physikalischer Manifestationen während einer Séance. Zeichen und Materialisierung des Kontakts mit Verdrängtem und verschwunden Geglaubtem. Wie der Geruch und Geschmack des Stückchens Madeleine bei Proust durchzieht der Rauch von La Cigarette den Film und errichtet das unermessliche Gebäude unserer Erinnerung.

(Kathrin Rhomberg)

Printgrafik: stilllacigarette.jpg

deutsche druck version
   
  filmvideo.at // La Cigarette erstellt am 2011-09-16 letzte Änderung am 2016-09-22