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Titel:     Coming Attractions
Regie     Peter Tscherkassky
  original titel:
Coming Attractions
Jahr: 2010
Land: Austria
Länge: 25:10 min
Premiere: 2010 /
Medientyp: Film
Kategorie: Avantgarde/Kunst
Orig.Spr.: Kein Dialog
Credits  
Technische Daten  
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Synopsis
Coming Attractions
Zwei Männeraugen im Autorückspiegel im Negativbild. Als Gegenschuss dann eine lächelnde Frau, die mit überdeutlicher Mimik auf den linken Teil des Bildes hinweist, wo sich sogleich in einer flackernden Split-Screen Filmausschnitte abzeichnen – von Models, Bechern, fahrbaren Untersätzen –, die in den folgenden 25 Minuten ausgiebig bearbeitet werden: Coming Attractions. Schon der Titel verweist sowohl auf Werbefilme wie auf das ganz frühe Kino, das "Kino der Attraktionen": Gleich die erste Blickkontaktaufnahme lässt die beiden Gattungen in der Montage aufeinandertreffen – mit dem Avantgardefilm selbst bilden sie das Grunddreieck für die elf abwechlsungsreichen Kapitel, in denen Peter Tscherkassky die Wechselbeziehungen zwischen diesen drei Laufbildwelten durchspielt. Sein Film ist ein Blick in den Rückspiegel der Kinogeschichte, zusätzlich angereichert – in liebevoll gestalteten Kapitelüberschriften – mit wortspielerischen Verweisen auf Malerei, Musik und Filmtheorie: Was gezeigt wird, versteht sich aber "von selbst".
Aus eigentlich zur Vernichtung bestimmten Probeaufnahmen für Reklamefilme hat der Found-Footage-Virtuose Tscherkassky Coming Attractions in Dunkelkammer-Detailarbeit komponiert, frönt dabei in den verschiedenen Kapiteln unterschiedlichsten Zugängen (und schwelgt verständlicherweise in der Absurdität des Ausgangsmaterials). Er stellt dabei teils schalkhaft, teils hintersinning Querverbindungen her: Vom Léger-inspirierten "Ballet monotonique" der täglichen Arbeitsroutine – und der zur Wiederholung der immergleichen Abläufe verdammten Werbefilmdarstellerinnen – über den schlicht surrealen Anblick eines Models mit aufblasbarer Trockenhaube und Saxofon, bis zur Abschiedsszene, wo fassungslos wirkende Pasolini-Darsteller einem verlegen grinsenden Pfanniknödel-Traktorfahrer begegnen. Ein amüsanter Kino-Querschnitt als abgründiges Bild(er)gedicht der (un)bewussten Fehlleistungen, dabei ganz heiter, leicht und verspielt.
(Christoph Huber)


Den avantgardistischen Film verbindet eine Seelenverwandtschaft mit dem frühen Kino – dem "Kino der Attraktionen", wie die Filmwissenschaft es nennt. Damit ist der "exhibitionistische" Charakter des frühen Films gemeint: Wir sehen die stolze Selbstdarstellung eines neuen Mediums, seiner (trick)technischen Möglichkeiten, die direkte Adressierung der Kamera, die unverblümte Kontaktnahme mit dem Publikum. Aber auch im Werbefilm haben sich solche charakteristischen Elemente des frühen Kinos bis heute erhalten. Auf humorvolle Weise spürt der Film Coming Attractions diesen verborgenen Bezügen nach; in elf Kapiteln zelebrieren die Coming Attractions die Trinität von Reklamefilm, Early Cinema und Avantgarde. (P. Tscherkassky)

Printgrafik: coming_attractions_high_res.jpg

deutsche druck version
   
  filmvideo.at // Coming Attractions erstellt am 2010-07-27 letzte Änderung am 2011-04-15