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sixpackfilm, Wien
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Titel:     Primal Sound
Director     Katarina Matiasek
  original titel:
Ur-Geräusch
Year: 2007
Country: Austria
Length: 14:00 min
Premiere: /
Medium: Video
Category: Essay
Orig lang.: german
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Transkription der Erzählstimme (dt) /adaptiert nach dem Originaltext von Rainer Maria Rilke

Damals und durch die Jahre hin meinte ich, es sollte mir gerade dieser selbständige, von uns abgezogene und draußen aufbewahrte Klang unvergesslich bleiben. Dass es anders kam, ist die Ursache dieser Aufzeichnung. Nicht er, nicht der Ton aus dem Trichter, überwog, wie sich zeigen sollte, in meiner Erinnerung, sondern jene der Walze eingeritzten Zeichen waren mir um vieles eigentümlicher geblieben.

Und nun weiß ich nicht: ist es eine rhythmische Eigenheit meiner Einbildung, dass mir seither, oft in weiten Abständen von Jahren, immer wieder der Antrieb aufsteigt, aus dieser damals unvermittelt wahrgenommenen Ähnlichkeit den Absprung zu nehmen zu einer ganzen Reihe von unerhörten Versuchen? Ich gestehe sofort, dass ich die Lust dazu, sooft sie sich meldete, nie anders, als mit dem strengsten Misstraun behandelt habe, - bedarf es eines Beweises dafür, so liege er in dem Umstande, dass ich mich erst jetzt, wiederum mehr als anderthalb Jahrzehnte später, zu einer vorsichtigen Mitteilung entschließe. Auch habe ich zugunsten meines Einfalls mehr nicht anzuführen, als seine eigensinnige Wiederkehr, durch die er mich, ohne Zusammenhang mit meinen übrigen Beschäftigungen, bald hier, bald dort, in den unterschiedlichsten Verhältnissen überrascht hat.

Was wird mir nun immer wieder innerlich vorgeschlagen? Es ist dieses: Die Nähte des Schädels (was nun zunächst zu untersuchen wäre) haben - nehmen wir’s an - eine gewisse Ähnlichkeit mit der dicht gewundenen Linie, die der Stift eines Phonographen in den empfangenden rotierenden Cylinder des Apparates eingräbt. Wie nun, wenn man diesen Stift täuschte und ihn, wo er zurückzuleiten hat, über eine Spur lenkte, die nicht aus der graphischen Übersetzung eines Tons stammte, sondern ein an sich und natürlich Bestehendes -, gut: sprechen wir’s nur aus: eben (z.B.) die Schädel-Naht wäre -: Was würde geschehen? Ein Ton müsste entstehen, eine Ton-Folge, eine Musik...

Gefühle -, welche? Ungläubigkeit, Scheu, Furcht, Ehrfurcht -: ja, welches nur von allen hier möglichen Gefühlen? verhindert mich, einen Namen vorzuschlagen für das Ur-Geräusch, welches da zur Welt kommen sollte. Dieses für einen Augenblick hingestellt: was für, irgendwovorkommende Linien möchte man da nicht unterschieben und auf die Probe stellen? Welche Kontur nicht gewissermaßen auf diese Weise zu Ende ziehen, um sie dann, verwandelt, in einem anderen Sinn-Bereich herandringen zu fühlen?

Nun ist die Lage des Liebenden die, dass er sich unversehens in die Mitte des Kreises gestellt fühlt, dorthin also, wo das Bekannte und das Unfassliche in einem einzigen Punkte zusammendringt, vollzählig wird und Besitz schlechthin, allerdings unter Aufhebung aller Einzelheit. Dem Dichter wäre mit dieser Versetzung nicht gedient, ihm muss das vielfältig Einzelne gegenwärtig bleiben, er ist angehalten, die Sinnes-Ausschnitte ihrer Breite nach zu gebrauchen, und so muss er auch wünschen, jeden einzelnen so weit als möglich auszudehnen, damit einmal seiner geschürzten Entzückung der Sprung durch die fünf Gärten in einem Atem gelänge.

Beruht die Gefahr des Liebenden in der Unausgedehntheit seines Standpunkts, so ist es jene des Dichters, der Abgründe gewahr zu werden, die die eine Ordnung der Sinnlichkeit von der anderen scheiden: in der Tat, sie sind weit und saugend genug, um den größeren Teil der Welt - und wer weiß, wieviel Welten an uns vorbei hinwegreißen.

Sieht man sich aber nun nach einem Mittel um, unter so seltsam abgetrennten Bereichen die schließlich dringende Verbindung herzustellen, welches könnte versprechender sein als jener Versuch? Wenn er hier am Schlusse, mit der schon versicherten Zurückhaltung, nochmals vorgeschlagen wird, so möge man es mir in einem gewissen Grade anrechnen, dass ich der Verführung widerstehen konnte, die damit gebotenen Voraussetzungen in den freien Bewegungen der Phantasie willkürlich auszuführen. Dafür schien mir der, während so vielen Jahren übergangene und immer wieder hervortretende Auftrag so begrenzt und zu ausdrücklich zu sein.

Soglio, am Tage Mariae Himmelfahrt 1919

   
  filmvideo.at // Ur-Geräusch applied on 2007-08-16 last update on 2008-03-10